Gedenkkultur


Berlin braucht eine strukturierte antikolonialistische (und antifaschistische) Erinnerungskultur. In Zeiten, in denen vermehrt Angriffe von Rechts unsere vielfältige demokratische Stadtgesellschaft gefährden, steht die Bedeutung von Gedenkorten, die vor einer Wiederholung vergangener Verbrechen mahnen, außer Frage. Wir können nicht Rassismus nicht entgegentreten, ohne uns unserer Vergangenheit bewusst zu sein und ihre Folgen sichtbar zu machen.


Die kritische Aufarbeitung der deutsch-kolonialen Vergangenheit ist hier längst überfällig.

Auf Bezirksebene habe ich mich dafür eingesetzt, diskriminierenden und rassistischen Überbleibseln der deutschen Kolonialgeschichte den öffentlichen Raum zu nehmen. Mit dem Beschluss der Straßenumbenennung im Afrikanischen Viertel und dem Beschluss zur Umbenennung der M-Straße in Anton-W.-Amo-Straße konnten wir erste Erfolge feiern. Besonders wichtig ist aber, dass ein Lern- und Erinnerungsort eingerichtet werden soll. Doch solche einzelnen Maßnahmen auf Bezirksebene gleichen noch viel zu sehr einem erinnerungspolitischen Flickenteppich. Wir brauchen ein einheitliches Konzept auf Landesebene, das die Bezirke begleitet und sicherstellt, dass antikolonialistische Perspektiven gehört werden. Außerdem muss endlich ein zentraler Ort geschaffen werden, der an die europäische Kolonisierung Afrikas erinnert.


Gedenkstätten zeigen die Vielfalt und Offenheit Berlins im öffentlichen Raum, die Geschichte unserer Stadt und ihrer Menschen. Sie fördern die Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen und sorgen dafür, dass diese in der öffentlichen Geschichtsschreibung nicht vergessen werden. Gedenkstätten sind uneingeschränkt schützenswerte Räume. Es darf nicht geschehen, dass sich eine marginalisierte Gruppe um die Erhaltung eines solchen Erinnerungsortes sorgen muss, wie kürzlich im Rahmen des S-Bahn Ausbaus rund um das Mahnmal der ermordeten Sinti und Roma geschehen. Ebenso müssen kritische Stimmen aus der Zivilgesellschaft stärker und früher mit einbezogen werden, um unethischen Vorhaben wie der Ausstellung kolonialer Raubgüter im Humboldtforum von Anfang an einen Riegel vorzuschieben.


Somit soll Berlin-Mitte auch ein Ort der geschichtlichen Gerechtigkeit werden, an dem alle Menschen ihre Identität respektvoll und frei von einer Dominanzkultur leben können. Ein “Mauerfall” in den Köpfen der Berlinerinnen und Berliner kann die Stadt zur Vorreiterin des europäischen Antikolonialismus machen und die Menschen auf neue Art vereinen.